Trading-Psychologie

Um wirklich langfristig Erfolge zu erzielen, ist die Trading-Psychologie eines der wichtigsten Instrumente, weshalb im Folgenden sehr detailliert auf dieses Thema eingegangen wird. Dabei darf nämlich auch nicht vergessen werden, dass die Volatilität der Märkte größtenteils von menschlichen Emotionen wie Angst oder Gier verursacht wird.

Neusten Studien zufolge entscheiden zu 80 Prozent die Emotionen über Gewinn oder Verlust. Dabei besitzt vor allem die Angst eine enorme Wirkung auf das Geschehen und beeinflusst die Handlungen. Daneben erschweren aber auch überzogene und unrealistische Erwartungshaltungen sowie unlogische Denkmuster den Weg zum erfolgreichen Trading.

Neulinge im Trading wollen am liebsten schnelle Gewinne und blenden die Verlustrisiken aus. Zudem wird auch keine Verantwortung für das Handeln übernommen. Fehler bzw. Verluste werden einfach auf andere geschoben. Dagegen verhalten sich professionelle Trader völlig anders, denn das Trading ist ein professionelles Geschäft, das vom Risiko bestimmt wird und um dieses Geschäft erfolgreich zu managen, werden vor allem Vorkenntnisse und gewisse Fähigkeiten benötigt. Hierzu gehören bestimmte mentale Denk- und Handlungsweisen, die im Folgenden näher erklärt werden und die Voraussetzungen für ein langfristig profitables Trading sind.

Kognitive Dissonanz – Aufstellung eines Handelsplans

Die Theorie über die kognitive Dissonanz wurde in den 50er Jahren von dem US-amerikanischen Sozialpsychologen Leon Festinger entwickelt. Kommt es zu einem Widerspruch zwischen zwei entgegengesetzten Gedanken/Wahrnehmungen, so entsteht ein innerer Konflikt bzw. ein Missklang (Dissonanz). Um diese Theorie besser verstehen zu können, ein kleines Beispiel:

Ein Trader will nach eingehender Recherche eine Aktie aus einem bestimmten Sektor kaufen. Plötzlich verliert die ausgewählte Aktie an Wert. Gleichzeitig gehen aber die Aktienkurse aus dem gleichen Sektor in die Höhe. Infolgedessen entwickelt der Trader Reuegefühle und es entsteht ein innerer Konflikt. Automatisch fragt sich der Trader, wie er seinen Aktienkauf noch retten kann. Aufgrund des inneren Konfliktes neigt er aber dazu, an seiner Entscheidung festzuhalten und findet hierfür auch gute Gründe. Alles, was zu seiner Entscheidung im Widerspruch steht, wird ausgeblendet bzw. ignoriert. Somit steht der Trader unter großem Druck. Werden die Verluste immer höher, steigt auch der Druck und erst dann befreit er sich von der Anspannung und lässt seine Überzeugungen los.

Es gibt gute Hilfsmittel, um sich vor den Folgen dieser kognitiven Dissonanz zu schützen. Hierzu gehört vor allem das Aufstellen und disziplinierte Einhalten eines strukturierten Handelsplans. Des Weiteren sollten sich Trader immer wieder vor Augen führen, dass sich die Kurse nicht kontrollieren lassen und dass sie auch nicht vorhergesehen werden können. Sollte sich also der Kurs eines Basiswertes anders entwickeln als ursprünglich geplant, so muss ein Ausstieg erfolgen.

Framing-Effekt – Gewinne laufen lassen

Die Wissenschaftler Kahneman und Tversky gingen davon aus, dass Entscheidungen in einen Bezugsrahmen gesetzt werden, um sie dann auf Gewinn oder Verlust zu prüfen. Dieses Verhaltensmuster nannten sie Framing-Effekt.

Es ist logisch, dass jeder Mensch gleiche Ergebnisse ganz unterschiedlich bewertet. Und so werden auch beim Trading durch den Framing-Effekt gleiche Geldbeträge auch nicht realistisch bewertet. Um das zu verdeutlichen wieder ein kleines Beispiel:

Ein Trader hat auf seinem Handelskonto 50.000 Euro. Jeden Tag erwirtschaftet er 50 Euro. Jetzt gewinnt der Trader den Eindruck, dass das viel zu wenig ist. Dass er aber eine Jahresrendite von 20 Prozent erwirtschaftet, wenn er es schafft, an 200 Handelstagen 50 Euro zu gewinnen, ignoriert er.

Grundsätzlich können Trader ihre Gewinne nicht einfach laufen lassen, sondern wollen viel lieber den schnellen und sicheren Gewinn. Die Chance auf höhere Profite wird ausgeblendet.

Im Übrigen gibt es den Framing-Effekt auch im Einzelhandel. So fällt es den Käufern nämlich leichter, eine reduzierte Ware zu kaufen, als eine Ware ohne Preisnachlass.

Sunk-Cost-Effekt – Loslassen von erfolglosen Investments

Beim Sunk-Cost-Effekt (übersetzt aus dem Englischen: „versunkene Kosten“) geht es um bereits entstandene Kosten, die in der Gegenwart keine Bedeutung haben. Auch hier ein Beispiel:

Nachdem ein Trader Aktien zum Stückpreis von 100 Euro gekauft hat, sinkt der Wert der Aktie kurz danach auf 75 Euro. Ob nun die Aktie wieder ihren ursprünglichen Wert erreicht, kann nicht vorhergesagt werden. Doch der Trader will jetzt die Aktie noch verbilligen und versenkt sein Geld in einer schlechten Investition.

Geht es um die Verkaufsentscheidung, orientieren sich Trader in der Regel am Kaufpreis. Jedoch hat der vergangene Kaufpreis keinen Einfluss auf die Kursentwicklung. Nur der Trader gibt dem alten Preis eine Bedeutung und hält somit an erfolglosen Investments fest. Hierunter fallen im Übrigen auch Basiswerte, die schon im Verlust liegen. Trader halten trotzdem daran fest, anstatt sie mit einem kleinen Verlust zu verkaufen. Das tun sie in der Hoffnung, dass sich der Kurs vielleicht erholt. Doch diese Hoffnung führt nicht selten dazu, dass noch höhere Verluste in Kauf genommen werden müssen.

Auch hier hilft ein Handelsplan, in dem auch unbedingt die folgende Regel stehen sollte: Positionen im Gewinnfall verkaufen – niemals im Verlustfall aufstocken.

Dispositionseffekt – Umgang mit Gewinnen und Verlusten

Ganz nach dem Motto, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, neigen Trader dazu, kleine Gewinne zu erzielen, während sich die Verluste vergrößern. Dieses wird auch als Dispositionseffekt bezeichnet. Aufgrund einer inneren Blockade halten Trader viel zu lange an einem Verlust fest. Oftmals wollen sie den Verlust auch nicht wahrhaben, weshalb sie nicht verkaufen. Außerdem werden Gewinne und Verluste unterschiedlich bewertet. Zum einen kann ein anfänglicher Gewinn als Nutzen anerkannt werden, jedoch wird dieses Gefühl mit weiteren Gewinnen schwächer. Umgekehrt verursachen erste Verluste tiefe Spuren, wobei mit der Zeit ein gewisser Gewöhnungseffekt eintritt. Nachfolgende Verluste werden nicht mehr so stark empfunden, und zwar egal, wie hoch die Verluste ausfallen.

Beim Handeln mit Binären Optionen kann dieser Dispositionseffekt dazu führen, dass die Gewinne zu früh und die Verluste zu spät realisiert werden. Trader sollten stets eine der wichtigsten Börsenregeln im Blick behalten. Diese besagt, dass Gewinne sinnvoll laufen gelassen werden sollten. Verluste sind hingegen klug zu begrenzen.

Disziplin ist die Wunderwaffe

Die größte Herausforderung im Trading ist die Disziplin. Viele Studien belegen, dass Trader an der Disziplin bzw. der präzisen Ausführung scheitern und nicht etwa an ihrer Handelsstrategie. Zum Erfolg führt lediglich die exakte und konstante Umsetzung des persönlichen Regelwerks. Die Frage, warum es Tradern so schwer fällt, sich an ihren Handelsplan zu halten, kann nur damit beantwortet werden, dass sie von ihren Emotionen beeinflusst werden und so zu Verzweiflungshandlungen getrieben werden. Doch bereits der kleinste Ausreißer kann hier schon zu einer fatalen Kettenreaktion führen.

Besonders wichtig ist, dass sich Trader ein Handelssystem suchen, das zu ihnen persönlich passt und dem sie vertrauen können. Wer beispielweise ungern kurzfristige Optionen handelt, der wird automatisch nicht motiviert sein, sein Regelwerk diszipliniert umzusetzen.

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