Einführung in die Technische Analyse

Die Technische Analyse ist sehr umfangreich und deckt zahlreiche unterschiedliche Analysemethoden ab. Für Anfänger stellt sie oftmals eine Herausforderung dar, denn hier den Überblick zu behalten ist nicht gerade einfach. Aus diesem Grund wird im Folgenden nur das Wichtigste verständlich zusammengefasst.

Um zukünftige Kursbewegungen vorhersagen zu können, bedienen sich Trader verschiedenster Analysemethoden, hauptsächlich aber der Technischen Analyse. Die Basis dieser Analyse sind die folgenden Annahmen über die Märkte:

Marktbewegung: Der Markt berücksichtigt durchweg alles, was mit einem Basiswert passiert. Demzufolge spiegelt der Markt alle Informationen wider, die den Basiswert beeinflusst haben.

Trends: Der Preis eines Basiswertes bewegt sich in Trends, der gerade, zickzackartig, nach oben oder nach unten verlaufen kann. Ebenso kann der Basiswertpreis auch in verschiedenen Zeiteinheiten unterschiedliche Trends durchlaufen.

Wiederholende Geschehnisse: Kursbewegungen wiederholen sich meist immer, weshalb genau diese Daten von der Technischen Analyse genutzt werden, um die zukünftigen Bewegungen vorhersagen zu können. In der Regel reagieren Marktteilnehmer immer gleich auf bestimmte Ereignisse, weshalb auch ein gleiches Verhaltensmuster erwartet werden kann.

Die Frage nach dem warum ein Kurs steigt oder fällt wird in der Technischen Analyse ignoriert. Vielmehr wird sich hier darauf konzentriert, dass ähnliche oder gleiche Kursbewegungen schon in der Vergangenheit aufgetreten sind und das gleiche Ergebnis eintrat. Dieses Ergebnis wird also in Zukunft wieder eintreten.

Es geht also darum, historische Kursverläufe zu beobachten und auszuwerten. Um diese Analysen zu erstellen, werden die sogenannten Charts verwendet, die einer Fieberkurve ähneln. Mithilfe der Charts können Daten schnell erfasst werden. Zwar sind hierin Tausende Datensätze enthalten, die Übersichtlichkeit geht jedoch nicht verloren. Vielmehr wird die Übersichtlichkeit durch die bildliche Darstellung wesentlich erhöht. Zu den wichtigsten Charttypen gehören:

Liniencharts

Ein Linienchart ist die einfachste Chartform. Hier werden lediglich die Schlusskurse angezeigt, womit man einen kurzen Überblick über die historische und aktuelle Preisentwicklung erhält.

Balkencharts

Innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls stellt das Balkenchart die Preisspanne eines Marktes dar. Meist ist der Zeitrahmen individuell einstellbar in minütlich, stündlich, wöchentlich oder monatlich.

Kerzenchart (Candlestick)

Im Kerzenchart werden die gleichen Informationen dargestellt wie im Balkenchart, jedoch sind die darin enthaltenen Informationen aufgrund der farblichen Ausgestaltung leichter zu interpretieren, weshalb viele Trader diesen Chart bevorzugen.

Der Kerzenkörper kann zwei Farben aufweisen, meist Schwarz und Weiß. Ein weißer Kerzenkörper (oftmals auch grün eingefärbt) kennzeichnet eine Aufwärtsbewegung und ein schwarzer Kerzenkörper (oftmals auch rot eingefärbt) kennzeichnet eine Abwärtsbewegung innerhalb des gewählten Zeitrahmens. Der Kerzenkörper selbst stellt eine Preisspanne zwischen dem Eröffnungs- und dem Schlusskurs dar. Hingegen repräsentieren Docht und Lunte den höchsten und niedrigsten Preis.

Hauptsächlich werden die drei folgenden Analysemethoden im Binäroptionshandel genutzt:

Widerstand und Unterstützung (Support/Resistance)

Widerstands- und Unterstützungslinien sind sehr wichtige Hilfsmittel, um neue Trends erkennen zu können. Dabei bewegen sich Kurse in Tälern und Gipfeln, wo sich auch Widerstände und Unterstützungen bilden. Diese können mit Hilfslinien markiert werden, um dann die Trend-Stärke oder Gegenbewegungen einschätzen zu können.

Ein Widerstand oder eine Unterstützung markiert verschiedene Reaktionspunkte der Marktteilnehmer bzw. entstehen sie aus Käufen und Verkäufen. Sie können aber auch zu neuen Kursbewegungen führen, wenn sich die Marktteilnehmer plötzlich anders verhalten. Hieraus bilden sich dann Gegenbewegungen oder auch stärkere Trends. Derartige Reaktionen können am besten mit Widerstands- und Unterstützungslinien eingegrenzt werden. Es handelt sich hierbei um die einfachste Art der Chartanalyse, die auch von Einsteigern gut genutzt werden kann.

Aufwärtstrend mit Widerstand- und Unterstützungslinien

Widerstände und Unterstützungen bilden sich immer wieder, sodass es völlig egal ist, in welche Richtung sich der Kurs bewegt.

Die Gipfel kennzeichnen die Widerstände und die Täler die Unterstützungen, wenn die Trader nur langsam in das Trading ein- bzw. aussteigen. An den Gipfeln verkaufen viele Trader ihre Positionen, wodurch es zu einem fallenden Kurs kommt. Umgekehrt funktioniert das natürlich genauso.

Bei einem Aufwärtstrend passiert es oftmals, dass der Kurs nach dem ersten Tal wieder steigt und vom zweiten Gipfel quasi gebremst wird, sodass das neue Tal auf der gleichen Ebene ist wie der erste Gipfel.

Ein guter Zeitpunkt für den Einstieg in den Handel ist, wenn der Kurs weiter steigt infolge des Aufwärtstrends.

Abwärtstrend mit Widerstand- und Unterstützungslinien

Der Abwärtstrend besteht ebenso aus Widerständen und Unterstützungen. Mithilfe der Linien können auch hier Trends besser eingeschätzt werden.

Der Ablauf ist genauso wie beim Aufwärtstrend, nur eben in umgekehrter Form mit ebenfalls unterschiedlichen Widerstands- und Unterstützungsebenen.

Gute Einstiegspunkte sind Durchbrüche von Widerstands- und Unterstützungslinien.

Grundlagen der Formationen

Wenn der Kurs eines Basiswertes in eine bestimmte Richtung verläuft, wird von einem Trend gesprochen. Dabei gibt es kurz-, mittel- und langfristige Trends, wobei es hier immer auf den Beobachtungszeitraum ankommt. Sollte der Kurs eines Basiswertes beispielsweise ohne Unterbrechung über eine Woche gestiegen sein, wird das bereits als Trend bezeichnet.

Mithilfe der Charts lassen sich Trends sehr gut grafisch darstellen und auch messen. Hierfür wird dann mit verschiedenen Formationen gearbeitet, die sich in zwei große Gruppen unterteilen lassen. So gibt es die Trendbestätigungsformationen und die Trendumkehrinformationen. Für Trader ist vor allem die Trendumkehrformation sehr wichtig. Diese beinhaltet, dass ein bis dato intakter Trend jetzt „gestört“ ist. Infolge dessen zeichnet sich dann eine Trendumkehr ab. Wiederum kennzeichnet eine Trendumkehr das Trendende. Demnach ist also die Trendumkehrformation für den Trader der späteste Zeitpunkt, um zu reagieren.

Double-Bottom (Zweifachtief)

Das Double-Bottom ist im Chart ebenfalls gut zu erkennen und bildet den Buchstaben W.

Bildet sich solch ein Chartmuster, wird ein Abwärtstrend vorläufig abgeschlossen. Zwischen den beiden gebildeten Preistiefs liegt ein geringes Preishoch. Der Kurs kann nach dem Zweifachtief wieder steigen, sodass dieses Muster auch als Signal für eine Wende im Trend genommen wird.

Wichtige Merkmale für das Double-Bottom sind Punktgenauigkeit der beiden Preisspitzen, keine zeitlichen Verzerrungen sowie die grafische Symmetrie und Ebenmäßigkeit (W). Auch diese Formation liefert bei Intraday-Kursen keine eindeutigen Signale, da hier auf die Kurse zu viele Einflüsse einwirken. Aus diesem Grund sollten Trader diese Formation nur in längeren Zeiträumen – vorzugsweise bei Rohstoffen oder Aktien – als Trendwendesignal nutzen.

Kaufsignal: Wenn sich der rechte Schenkel beim Überschreiten der mittleren W-Preisspitze bildet, entsteht das Kaufsignal.

Triple-Top (Dreifachhoch)

Das Dreifachhoch bildet drei Spitzen und ist im Chart gut zu erkennen:

Das beim Handeln mit Binären Optionen relevante Signal wirkt hier sehr viel stärker als das Doppelhoch, und zwar in beide Kursrichtungen. Dabei sollte das Überschreiten des Triple-Tops ein starkes Kaufsignal ergeben. Jedoch ist aber auch das Unterschreiten des Triple-Tops für fallende Kurse wichtiger als beim Zweifachhoch. Sollten nämlich die Kurse nicht nur zweimal, sondern dreimal bis zu einem signifikanten Widerstand gelangt sein, daran gescheitert sein, so könnte das bedeuten, dass es zu einer Trendwende kommt. Zwar ist das Triple-Top gut zu erkennen, es ist aber gar nicht so einfach, hier die Handelssignale abzuleiten. Auch hier spielt der Zeitrahmen eine wichtige Rolle, ebenso wie die Assetklasse. Für kurzfristige Trades ist diese Formation nicht geeignet.

Kaufsignal: Wenn sich ein Dreifachhoch tatsächlich zum Beispiel in einer Aktie über längere Zeit bildet, entsteht ein Kaufsignal.

Verkaufssignal: Sollte das tiefere der beiden Tiefs unterschritten werden, ergibt sich ein Verkaufssignal.

Triple-Bottom (Dreifachtief)

Im Allgemeinen gilt das Triple-Bottom als bullishes Trendwendesignal.

Das Dreifachtief entsteht, weil die Trader eine Bodenbildung erwarten. Beim Dreifachtief setzen die Kurse aus einem Abwärtstrend dreimal an ungefähr derselben Stelle auf und gehen zwischendurch zweimal ungefähr zum selben Kursniveau nach oben. Vollendet hat sich das Dreifachtief, wenn das Kursniveau beim dritten Kursaufschwung durchbrochen wird. Hierdurch entsteht das Kaufsignal. Laut Experten soll dieser nochmalige Kursschwung die Trendwende bestätigen. Das Unterschreiten des Dreifachtiefs wäre umgekehrt ein Verkaufssignal.

Im Aktienmarkt und Rohstoffmarkt ist das Dreifachtief ein deutliches Trendwendesignal und die Trader erwarten eine Auflösung nach oben. Zudem ist das Dreifachtief auch oft bei Indizes zu beobachten, wobei sich das Dreifachtief hier in beide Richtungen auflösen kann. Wesentlich seltener gibt es die Dreifachtiefs im Edelmetall- und Devisenmarkt. Sollten sie dennoch auftreten, werden sie von Tradern ignoriert.

Indikatoren und gleitende Durchschnitte

Indikatoren im Chart können sehr hilfreich sein. Es darf aber nicht vergessen werden, dass Indikatoren nicht die Analysearbeit ersetzen können, sondern diese nur erleichtern und dabei helfen, Signale besser erkennen zu können.

Bollinger Bänder (Bollinger Bands)

Bollinger Bänder wurden bereits in den 80er Jahren von John Bollinger entwickelt und sind die gebräuchlichsten Indikatoren. Sie bestehen aus dem mittleren gleitenden Durchschnitt über 20 Tage (oftmals Standardeinstellung bei Brokern). Aus diesem wiederum ergibt sich das obere und untere Band, und zwar mit einer Abweichung von plus 2 und minus 2.

Wenn nun in einem bestimmten Zeitraum eine hohe Marktvolatilität auftritt, erweitern sich die Bänder. Umgekehrt verengen sich die Bänder, wenn die Volatilität abnimmt. Zudem werden dann die Kurse eingegrenzt.

Kaufsignal: Sollten die Kurse das untere Band ständig berühren, sind die Kurse „überverkauft“ und es entsteht ein Kaufsignal.

Verkaufssignal: Sollten die Kurse das obere Band ständig berühren, sind die Kurse „überkauft“ und es entsteht ein Verkaufssignal.

Einfach gleitender Durchschnitt (Simple Moving Average)

Der einfach gleitende Durchschnitt glättet die Kurse bzw. macht er die Währungsaktivität sichtbar. Um den einfach gleitenden Durchschnitt (SMA) zu berechnen, werden die Schlusskurse eines bestimmten Beobachtungszeitraumes addiert und durch die Anzahl dividiert. Beispielsweise beinhaltet ein 50er SMA den Durchschnitt der Schlusskurse der letzten 50 Kerzen im Chart. Dabei wird häufig ein 200er SMA beim Handel auf Tagescharts, ein 50er für mittelfristige Trends und ein 20er SMA für kurzfristige Trends genutzt.

Kaufsignal: Sollte sich der gleitende Durchschnitt nach oben bewegen und bleibt der Kurs darüber, entsteht ein Aufwärtstrend und somit ein Kaufsignal.

Verkaufssignal: Sollte sich der gleitende Durchschnitt nach unten bewegen und bleibt der Kurs darunter, entsteht ein Abwärtstrend und somit ein Verkaufssignal.

Beispiel (zwei gleitende Durchschnitte 5 Tage (rot) und 20 Tage (schwarz)

Die Vorteile liegen darin, da hiermit die Stärke eines Trends wie auch die Wahrscheinlichkeit einer Trendumkehr eingeschätzt werden kann. Nachteilig ist hingegen, dass das Handelssignal erst nach dem Beginn einer neuen Kursbewegung auftritt. In einigen Fällen ist es dann schon zu spät, um noch zu handeln.

Exponentiell gleitender Durchschnitt (EMA)

Beim exponentiell gleitenden Durchschnitt handelt es sich um einen gewichteten Durchschnitt. Das heißt, den aktuellen Kursen wird eine höhere Gewichtung, als dem gewichteten Durchschnitt eines Kurses zuteil. Den Ausschlag für die Gewichtung gibt die Periode. Wird also zum Beispiel eine kurze Periode benutzt, desto größer fällt die Gewichtung auf den aktuellen Kurs auf. Das wiederum ermöglicht beim Kursverlauf eine schnellere Reaktion, denn es fließen kaum alte Daten über den Kurs mit ein.

Profis nutzen oftmals mehrere EMAs mit verschiedenen Zeitperioden, denn hiermit können Trends sehr gut erkannt werden.

Relative-Stärke-Index (RSI)

Der Relative-Stärke-Index zeigt die tatsächlichen Kauf- und Verkaufssignale im Chart. Trader erhalten so Hinweise darüber, ob sich ein Trend vielleicht bald dreht oder ob sich ein Trend bestätigen lässt. Fällt der RSI beispielsweise unter 30, so könnte der Kurs womöglich bald steigen. Liegt der RSI jedoch zum Beispiel über 70, fallen die Kurse wahrscheinlich, weil Trader ihre Gewinne sichern und deshalb verkaufen.

Grundsätzlich kann der RSI-50 einen Aufwärts- oder Abwärtstrend bestätigen. Steigt der RSI über 50, kann ein Aufwärtstrend bestätigt werden. Im umgekehrten Fall, wenn also der RSI unter 50 fällt, kann ein Abwärtstrend bestätigt werden.

Moving Average Convergence-Divergence Indikator (MACD)

Der MACD dient zur Bestimmung von Trends in einem Momentum. Berechnet wird er, indem ein langer EMA von einem kürzeren EMA subtrahiert wird. Zur Berechnung werden normalerweise gleitende Durchschnitte über 12 Tage sowie 26 Tage genutzt.

Vorteilhaft ist, dass der MACD wesentlich schneller auf Kursänderungen reagiert. Sollte die Signallinie vom MACD durchbrochen werden, ist der 12-Tage-Durchschnitt höher als der Änderungskurs für den 26-Tage-Kurs, was wiederum bedeutet, dass es wahrscheinlich ein Aufwärtsmomentum geben wird. Liegt der MACD jedoch unter der Signallinie, steht möglicherweise ein Abwärtsmomentum an.

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